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01.10.2005 KLAVIERABEND LEONEL MORALES
 

Darmstädter Echo vom 04.10.2005:

Klavierabend mit Leonel Morales

DARMSTADT. Innerhalb der Festkonzerte, die von der Chopin-Gesellschaft zu ihrem fünfunddreißigjährigen Bestehen veranstaltet werden, gastierte am Samstag in der Darmstädter Orangerie der in Kuba geborene und seit 1991 in Spanien lebende Pianist Leonel Morales. Die beiden Beethoven-Sonaten A-Dur op. 101 und C-Dur op. 53 („Waldstein“) stellte er nicht einseitig auf Brillanz oder Poesie, sondern hielt diese gegen- und auseinander strebenden Tendenzen mit dynamischen Zwischenwerten in Gleichgewicht. Nachdenklich und verhalten – wie ein Schubertsches Impromptu – erklang der Kopfsatz der A-Dur-Sonate und erhielt in dem energischen „Vivace alla Marcia“ und in dem stakkato-spitzen Fugato des Finales den angemessenen Kontrast. Ebenso kontrastscharf und pointiert die „Waldstein“-Sonate, deren Forte-Ausbrüche, verstärkt vom allzu schrill und stählern intonierten Diskant des Flügels, dem Klangbild zu außergewöhnlicher Schärfe verhalfen. Der zweite Teil war Spanien gewidmet. Als Herausforderung an Klangmagie und Virtuosität „Corpus Christi en Sevilla“ von Albeniz, dargeboten mit zündender perkussiver Motorik in den Tanzrhythmen und lyrischer Intensität in den meditativen, rezitativartigen Passagen. Schließlich Liszts „Rhapsodie espagnole“, in der der Komponist die Folies d’Espagne und die Jota Aragonesa kunstvolle verarbeitete. Auch heutzutage ist es ein Wagnis, dieses virtuose Genrestück im Konzertsaal zu spielen. Morales bestand die Bewährungsprobe, wobei er die Tastenteufeleien mit gemeißelter Klangdramaturgien und oszillierenden Ausdrucksnuancen glänzend bewältigte. Der Klavierabend hätte ein größeres Publikum als die nur etwa 70 Zuhörer verdient.

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4.10.2005

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