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01.11.2008 KLAVIERABEND SABINE SIMON
 

Darmstädter Echo vom 03.11.2008:

Sabine Simon: Zart und feurig

DARMSTADT. Als „Klavierübung bestehend aus einer Arie mit verschiedenen Veränderungen“ bezeichnete Johann Sebastian Bach seine „Goldberg-Variationen“ bescheiden. Nach barockem Verständnis war damit allerdings nicht gemeint, das hochvirtuose Variationswerk allein zu technischen Übungszwecken zu gebrauchen. Vielmehr sollte es versierten Musikliebhabern zur „Gemütsergötzung“ dienen, in dem es ihnen Gelegenheit bot, den Notentext immer wieder zu studieren.

Mit der Haltung einer Suchenden tief in die Musik hineinhorchend, machte sich die Pianistin Sabine Simon bei ihrem Soloabend im Darmstädter Kennedyhaus auf Einladung der Chopingesellschaft an die Interpretation dieses Meisterwerkes Bachscher Variationskunst. Mit berührend weichem, sanft abgefedertem Anschlag verlieh sie der vorangestellten Arie kontemplative Ruhe und zarte Konturen. Reich an Klangfarben und feinen dynamischen Nuancen betonte ihr Spiel die unterschiedlichen Charaktere der sich anschließenden Variationen. Fragile Momente der Innerlichkeit und Verklärung wechselten mit feurigen Tänzen und prägnanten Prestostürmen.

Trotz der reizvollen Kontraste der Einzelsätze, verlor die 1971 in Berlin geborene Pianistin den übergeordneten Zusammenhalt des gesamten Zyklus niemals aus den Augen. Wie ein virtuoses Feuerwerk ließ sie Bachs musikalische Einfälle zünden. Angesichts dieser reichen Farbenpracht erstrahlte die am Schluss wiederholte Arie in einer neuen, tief berührenden Reinheit.

ade
3.11.2008

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