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16.06.2012 YEOL EUM SON
 

Darmstädter Echo vom 18.06.2012:
Von Silvia Adler

„Die Preisvergabe ist gefährdet“

Chopin-Gesellschaft – Wegfall städtischer Mittel stößt auf Unverständnis – Gelungenes Konzert von Yeol Eum Son

Darmstadt spielt im Bereich der Klaviermusik eine bedeutende Rolle. Dafür spricht nicht allein das hohe künstlerische Niveau, der zahlreichen Konzerte, sondern auch die lange Tradition der Darmstädter Klavierwettbewerbe und Meisterkurse. Dieses internationale Renommee ist dabei nicht zuletzt das Verdienst der Aufbauarbeit, die seit über vierzig Jahren von der Darmstädter Chopin-Gesellschaft geleistet wird. Besonders der alle drei Jahre ausgerichtete „Internationale Chopin-Klavierwettbewerb in Darmstadt“ beschert der Stadt Aufmerksamkeit. Mit Bestürzung hat der Vorstand der Chopingesellschaft daher auf die Nachricht reagiert, dass die Stadt Darmstadt plant, ihren Beitrag zu dem seit 30 Jahren ausgetragenen Wettbewerb demnächst einzusparen.

Seit der Gründung des Wettbewerbs war der erste Preis in Höhe von heute
10 000 Euro stets von der Stadt übernommen worden. Durch den finanziellen Rückzug der Kommune wäre die Preisvergabe erstmals gefährdet. Beim Präsidenten der Chopingesellschaft, Maciej Lukaszczyk, stößt besonders die Aussage von Oberbürgermeister Jochen Partsch auf Unverständnis, den Wettbewerb wegen seiner „begrenzten Strahlkraft“ auf die kommunale Einsparliste zu setzen.
Bereits jetzt übten junge Pianisten in aller Welt das Repertoire des für 2013 ausgeschriebenen Darmstädter Chopin-Wettbewerbs, sagt Lukaszczyk. Nach dem renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau gelte die Darmstädter Veranstaltung weltweit als zweitwichtigster Chopin-Wettbewerb. Zu den Finalisten in Warschau gehörten 2010 auch zwei Preisträger aus Darmstadt.
Unter Beweis gestellt wurde das pianistische Niveau, das die Chopingesellschaft seit Jahrzehnten garantiert, am Samstag beim Klavierabend der Koreanerin Yeol Eum Son im Darmstädter Kennedyhaus. Aufhorchen ließ bereits die zum Auftakt gespielte „Suite Bergamasque“ von Claude Debussy. Mit wunderbar organischer Phrasierung und klangvollem Volumen tauchte die Pianistin die vier Sätze in impressionistische Klangfarben. Vom zartesten Piano bis zum feurigen Forte vermittelte ihre Interpretation Frische und Intensität.
Mit subtilem Anschlag zeichnete sie die feinen Konturen der Klangoberfläche genauso nach wie die mächtigen Impulse in der Tiefenstruktur des Werkes. Yeol Eum Son begeisterte das Publikum mit rauschhafter Virtuosität – die sie besonders in Samuel Feinbergs furioser Bearbeitung von Tschaikowskys „Scherzos“ aus der Sinfonie Nr. 6 zur Schau stellte – und mit kunstvollen Legatobögen, die in Brahms „Variationen über ein Thema von Klara Schumann in fis-Moll op. 9“ die Sehnsucht eindringlich zum Ausdruck brachten.

Ein weiterer Glanzpunkt war das ebenfalls von Feinberg bearbeitete „Largo“ aus Bachs Sonate Nr. 5 in C-Dur. Bei aller Transparenz und delikatem Feinschliff entwickelte die Musik fast hypnotische Gewalt. Das Publikum honorierte die brillante Darbietung mit sehr großem Applaus, der auch nach drei Chopin-Zugaben anhielt.

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